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Presseerklärung
Wahlen zum Europäischen Parlament
Am 13. Juni 2004 finden die Wahlen zum Europäischen
Parlament statt, bei denen auch kurdische Bürgerinnen und Bürger
ihre Stimmen abgeben werden.
Seit einigen Monaten treiben türkische Lobbyisten mit
dem aus der Türkei stammenden Wählerpotential eine Interessenpolitik
des türkischen Staates. Durch die scheinbare Stärke der Gruppe der
türkischen Migrantinnen und Migranten wird versucht, Einfluss auf
die Parteien in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu nehmen
und die Wahlen zugunsten der Türkei zu beeinflussen.
In der Europäischen Union leben mehr als eine Million
Kurdinnen und Kurden aus allen vier Staaten des Nahen Ostens, ca.
700 Tausend davon in Deutschland, die jedoch weiterhin als „Türken“
bezeichnet werden. Das ist eine Folge der Jahrzehnte andauernden
Ignorierung der kurdischen Identität in den meisten Staaten der
EU. Ein beachtlicher Teil der in der Bundesrepublik Deutschland
und in den anderen EU-Ländern lebenden Kurdinnen und Kurden sind
bereits eingebürgert. Sie haben das aktive und passive Wahlrecht!
Die kurdischen Wählerinnen und Wähler werden am 13.
Juni ihre Stimme nicht denen geben, die von den türkischen Lobbyisten
favorisiert werden, sondern nach ihren eigenen Interessen handeln.
Sie werden die Kandidatinnen und Kandidaten wählen, die sich für
eine friedliche und gerechte Lösung der Kurdenfrage im Nahen Osten
einsetzen.
Von den sich zur Wahl stellenden Parteien und ihren
Kandidaten und Kandidatinnen erwarten wir, dass sie unsere folgenden
gerechten Forderungen vor und nach den Wahlen aktiv unterstützen
und dafür werben:
·
Die aktive Teilnahme der Migrantinnen
und Migranten am sozialen, politischen und wirtschaftlichen Leben
soll durch gesetzliche Regelungen gefördert und durch eine dementsprechende
Praxis in die Tat umgesetzt werden. Dabei soll auch das Wahlrecht
für Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten nach bestimmten
Kriterien anerkannt werden.
·
Vernünftige, realistische und
bedarfsorientierte Integrationsmaßnahmen sollen in allen EU-Ländern
gleich geregelt und dafür notwendige Mittel zur Verfügung gestellt
werden.
·
Flüchtlings- und Migrantenpolitik
sollen humaner werden.
·
Anerkennung der kurdischen
Identität und Gleichstellung der kurdischen Migrantinnen und Migranten
mit anderen Migrantengruppen in dem jeweiligen Mitgliedstaat der
EU.
Bei den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei soll
man präzise, konsequent und entschieden sein. Die bis jetzt verabschiedeten
„EU-Anpassungspakete“ entsprechen nicht den Erwartungen und Bedürfnissen
der Bevölkerung in der Türkei. Diese Reformen sind vor allem in
Bezug auf eine gerechte und friedliche Lösung der Kurdenfrage nicht
von Bedeutung und nicht mehr als Betrugsmanöver. Menschenrechtsverletzungen
spürt man tagtäglich. Ohne die Erfüllung und Implementierung der
politischen Kopenhagener Kriterien darf auf dem EU-Gipfel im Dezember
2004 der Türkei kein Datum genannt werden.
Die kurdischen Organisationen und Parteien fordern eine
offizielle Anerkennung der kurdischen Identität und deren Verankerung
in die zukünftige Verfassung der Türkei.
Dies bedeutet auch die Anerkennung der kollektiven Rechte
von 20 Millionen Kurden in der Türkei, und zwar
Ø
die Erziehung der kurdischen
Kinder in der Muttersprache;
Ø
freie Namensgebung nicht nur
für kurdische Kinder, sondern auch für Flora und Fauna in der kurdischen
Region;
Ø
Ratifizierung aller internationalen
Verträge und Konventionen ohne wenn und aber;
Ø
das Recht zur Gründung von
kurdischen Organisationen und Parteien, usw.
Die EU soll für den Stabilisierungs- und Demokratisierungsprozess
im Irak ihren Beitrag leisten. Der Wiederaufbau des Irak braucht
eine enorme finanzielle Unterstützung durch die EU.
Eine entschiedene und konsequente Terrorismusbekämpfung
ist wichtiger als je. Weder Saddams Anhänger, noch fundamentalistische
Terroristen dürfen Gelegenheit erhalten, das Land und die Region
noch einmal in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln.
Dabei dürfen die Rechte des kurdischen Volkes im Irak
und die Rechte der religiösen und ethnischen Minderheiten nicht
der arabischen Mehrheit geopfert werden.
Kurdische Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedsstaaten
der Europäischen Union,
Freundinnen und Freunde des kurdischen Volkes!
Gehen Sie am 13. Juni 2004 zur Wahl und geben Sie Ihre
Stimme den Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für
eine partizipatorische und humane Integrations- und Flüchtlingspolitik
sowie für eine gerechte und friedliche Lösung der Kurdenfrage im
Nahen Osten einsetzen. Lassen Sie sich nicht von den türkischen
Lobbyisten beeinflussen!
Köln, 29. April 2004
Unterzeichnerinnen/Unterzeichner:
- KOMKAR
- Verband der Vereine aus Kurdistan e.V.
Fettah Timar (Vorsitzender)
- IMK e.V.
- Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden
Dr. Hüseyin Bektas (Vorsitzender)
- KOMJIN
– Kurdisches Frauenbüro in Wuppertal e.V.
Zerrin Tek (Vorsitzende)
- KOMCIWAN
– Verband der Jugendlichen aus Kurdistan e.V.
Öznur Sezgin (Vorsitzende)
Kontaktadresse:
Abubekir
Saydam
IMK e.V.
Postfach 200738, D – 53137
Bonn
Tel.: +49 /(0) 228-36
28 02
Fax: +49 /(0) 228-36 32
97
E-Mail: imkkurds@aol.com
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